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29.04.2021 09:00

In Südafrika gehören Stromausfälle zum Alltag

Südafrikas primärer Stromversorger Eskom plant bewusst regelmäßige Stromausfälle, um einem Blackout vorzubeugen.
Loading

© VOLODYMYR BURDIAK / Fotolia

Unsere neue Rechtsanwältin, Michelle Hoyer, berichtet aus persönlicher Erfahrung vom load-shedding Südafrikas:

In Südafrika jedem mit Unmut bekannt: das sogenannt „load shedding“. Diese „Lastreduzierung“ bedeutet für alle Stromverbraucher für einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden, auf Strom zu verzichten. Und das regelmäßig. Wie regelmäßig bestimmt sich danach, in welcher Gegend sowie in welcher Stufe des load-sheddings sich der eigene Standort befindet. Darüber, wie viele Stufen es insgesamt gibt, herrscht Unklarheit. Einige Städte sind schlimmer betroffen als andere. So hatte Kapstadt beispielsweise bisher das Glück, nicht über „Level 4“ hinausgekommen zu sein. Hierbei musste man sich im Centrum Kapstadts acht Mal binnen eines Monats auf die Lastreduzierung einstellen. Die genauen Termine, Uhrzeiten und Levelstufen für die jeweilige Gegend kann man sowohl online einsehen, als auch über push-Nachrichten durch eine App erfahren. In dieser Zeit ruht dann das übliche Stadtleben: Restaurants schließen, Ampeln fallen aus, Büroarbeiten können ohne Internet und Computer nicht mehr verrichtet werden, das gemütliche Fernsehgucken daheim ist nicht mehr möglich und die Eiscreme im Tiefkühlfach muss natürlich äußerst schnell verspeist werden.

Doch wieso tut Südafrikas primärer Stromversorger Eskom das den Menschen und Unternehmen an?

Eskom nutzt die landesweite Lastreduzierung als kontrollierte Möglichkeit, um das Stromnetz vor einem totalen Blackout zu schützen. Eskom führt an, viele Länder und Städte in anderen Teilen der Welt hätten bereits komplette Stromausfälle erlebt. Dort könnte dann das Stromnetz der Nachbarn genutzt werden, um das eigene System wieder in Gang zu bringen, was wenige Stunden oder Tage dauerte, während Südafrika auf sich selbst angewiesen sei. Bei einem Blackout in Südafrika müsse ein Kraftwerk nach dem anderen neu gestartet werden und schrittweise ein Abschnitt des Landes nach dem Anderen wieder mit Strom versorgt werden. So könne es bis zu zwei Wochen dauern, bis die volle Stromversorgung wiederhergestellt sei, was schwerwiegende Auswirkungen auf das Land hätte. Mithilfe der Lastreduzierung sei es Eskom hingegen möglich, das Stromsystem effektiv zu steuern und es vor einem solchen Ereignis zu schützen.

Bleibt nur zu hoffen, dass Eskom dies gelingt - damit die nervigen Stromausfälle Südafrikas nicht umsonst von den knapp 60 Millionen Einwohnern erduldet werden müssen.


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